Hypothyreose: Krankheitsbild, Diagnostik und Standardtherapie

Hypothyreose: Krankheitsbild, Diagnostik und Standardtherapie

Die Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) ist eine endokrinologische Erkrankung, bei der die Schilddrüse nicht ausreichend Hormone (Thyroxin, T4; Triiodthyronin, T3) für den peripheren Bedarf produziert. Da Schilddrüsenhormone nahezu alle Stoffwechselgewebe beeinflussen, betrifft eine manifeste Unterfunktion multiple Organsysteme.¹,²

In den Vereinigten Staaten ergab die National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES III, Hollowell et al. 2002, n = 17 353) eine Prävalenz der manifesten Hypothyreose von 0,3 Prozent und einer subklinischen Hypothyreose von 4,3 Prozent in der US-amerikanischen Bevölkerung über zwölf Jahren.³ Frauen und ältere Personen sind häufiger betroffen.¹,³ Dieser Artikel fasst die Ursachen, die klinische Präsentation, die laborchemische und sonographische Diagnostik sowie die Standardtherapie sachlich zusammen und ersetzt keine ärztliche Beurteilung im Einzelfall.

1. Begriff und Schweregrade

Die Hypothyreose lässt sich nach der Lokalisation der zugrunde- liegenden Störung und nach dem Ausmass der laborchemischen Veränderung einteilen.¹,²,⁴

Nach der Lokalisation:

  • Primäre Hypothyreose. Die Störung betrifft die Schilddrüse selbst. TSH ist erhöht, fT4 erniedrigt oder noch im Referenzbereich.
  • Sekundäre Hypothyreose. Die Hypophyse produziert zu wenig TSH; in der Folge ist die Schilddrüse trotz unauffälligen Gewebes unterstimuliert. TSH ist niedrig, niedrig-normal oder unerwartet normal trotz erniedrigtem fT4.
  • Tertiäre Hypothyreose. Die hypothalamische TRH-Sekretion ist reduziert; das Konstellations-Bild entspricht der sekundären Form. Sekundäre und tertiäre Form werden zusammen als zentrale Hypothyreose bezeichnet und sind selten (unter einem Prozent der Fälle).⁵

Nach dem laborchemischen Ausmass:

  • Manifeste (klinische) Hypothyreose. TSH erhöht, fT4 erniedrigt; die klinischen Symptome sind in der Regel nachweisbar.
  • Subklinische (latente) Hypothyreose. TSH erhöht, fT4 noch im Referenzbereich; die klinischen Symptome können fehlen oder unspezifisch sein.
  • Myxödem-Koma. Schwerste Dekompensation der unbehandelten Hypothyreose; eine seltene, lebensbedrohliche endokrinologische Notfallsituation.⁶

2. Ursachen

Die häufigsten Ursachen unterscheiden sich nach der Jodversorgung der Bevölkerung. In jodversorgten Regionen — Schweiz, Deutschland, Österreich, weite Teile Europas, Nordamerika — dominiert die Autoimmunthyreoiditis. In Regionen mit Jodmangel ist der Jodmangel selbst die führende Ursache.¹,⁷

Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto-Thyreoiditis)

Die chronische lymphozytäre Thyreoiditis (Hashimoto-Thyreoiditis) ist eine organspezifische Autoimmunerkrankung der Schilddrüse mit progredientem Verlust funktionellen Gewebes. Serologisch lassen sich in den meisten Fällen Antikörper gegen die Thyreoperoxidase (TPO-AK; bei rund 90 bis 95 Prozent der Diagnostizierten) und gegen Thyreoglobulin (Tg-AK; bei rund 60 bis 80 Prozent) nachweisen; beide Antikörper sind hochsensitiv, aber für die Pathogenese als solche nicht beweisend.⁸ Frauen sind in epidemiologischen Erhebungen mehrfach häufiger betroffen als Männer.⁸ Die Hashimoto-Thyreoiditis wird im Schwester-Artikel der Wissensdatenbank vertiefend behandelt.

Jodmangel

Schilddrüsenhormone enthalten Jod als integralen Baustein (Thyroxin enthält vier Jodatome, Triiodthyronin drei). Bei nicht ausreichender Jodzufuhr kann die Hormonsynthese nicht aufrechterhalten werden. Sowohl Jodmangel als auch eine länger andauernd sehr hohe Jodzufuhr sind in epidemiologischen Daten mit einer erhöhten Häufigkeit von Schilddrüsenerkrankungen verbunden; Zimmermann und Boelaert (2015) beschreiben die Beziehung als U-förmig.⁷ Vertiefend siehe Einzelartikel zu Jod.

Iatrogene Ursachen

Eingriffe an oder in der Nähe der Schilddrüse können eine Hypothyreose verursachen:¹,²

  • Vollständige Schilddrüsenentfernung (Thyreoidektomie) führt regelhaft zu einer Hypothyreose. Auch nach Hemithyreoidektomie oder subtotaler Resektion ist eine spätere Unterfunktion möglich.
  • Radiojodtherapie (Therapie der Hyperthyreose oder eines differenzierten Schilddrüsenkarzinoms) führt häufig zu einer konsekutiven Hypothyreose.
  • Externe Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich, zum Beispiel im Rahmen einer Behandlung von Lymphomen oder Tumoren des Halses, kann das Schilddrüsenparenchym schädigen.

Medikamenten-induzierte Hypothyreose

Mehrere Medikamentenklassen können die Schilddrüsenfunktion beeinflussen:⁹,¹⁰

  • Amiodaron enthält in seiner Molekülstruktur Jod und kann sowohl eine Hypo- als auch eine Hyperthyreose induzieren. Die 2018er Leitlinien der European Thyroid Association beschreiben das Vorgehen bei amiodaron-assoziierter Schilddrüsendysfunktion.¹⁰
  • Lithium hemmt die Freisetzung von Schilddrüsenhormonen und ist mit dem Auftreten einer Hypothyreose insbesondere bei prädisponierten Personen assoziiert.⁹
  • Thyreostatika (Thiamazol, Carbimazol, Propylthiouracil) hemmen die Hormonsynthese; eine Überdosierung kann zur Hypothyreose führen.
  • Immun-Checkpoint-Inhibitoren (zum Beispiel anti-PD-1- und anti-PD-L1-Therapeutika) können autoimmun-vermittelte Schilddrüsendysfunktionen auslösen.
  • Tyrosinkinase-Inhibitoren sowie Interferon-alpha und Interleukin-2 sind in der Literatur als mögliche Auslöser einer Thyreoiditis beschrieben.⁹

Weitere Ursachen einer primären Hypothyreose

  • Postpartale Thyreoiditis. Im ersten Jahr nach einer Geburt beschrieben in unselektionierten Kohorten mit einer Häufigkeit von etwa fünf bis zehn Prozent; die Verläufe sind häufig selbstlimitierend, können jedoch in eine bleibende Hypothyreose übergehen.¹¹
  • Subakute Thyreoiditis de Quervain. Nach einer viralen Infektion; initial häufig hyperthyreote, anschliessend hypothyreote Phase, meist mit anschliessender Erholung der Funktion.¹
  • Konnatale (angeborene) Hypothyreose. Inzidenz nach Neugeborenen-Screening je nach Strategie etwa 1:2000 bis 1:4000 Lebendgeburten; das Screening ist in der Schweiz, in Deutschland und in den meisten europäischen Ländern Bestandteil der Routine-Vorsorge.¹²

Zentrale Hypothyreose (sekundär und tertiär)

Bei einer zentralen Hypothyreose liegt die Störung in der Hypophyse (sekundär) oder im Hypothalamus (tertiär). Mögliche Ursachen sind Hypophysenadenome, kraniale Operationen oder Bestrahlungen, Schädel-Hirn-Trauma, Sheehan-Syndrom oder infiltrative Erkrankungen. Charakteristisch ist eine erniedrigte oder unangemessen normale TSH-Konzentration trotz erniedrigter peripherer Hormone; die laborchemische Diagnostik weicht von der der primären Form ab und stützt sich auf fT4 statt auf TSH.⁵

3. Symptome

Die Symptome einer Hypothyreose sind unspezifisch und entwickeln sich häufig schleichend über Monate bis Jahre. Sie spiegeln die Verlangsamung der gesamten Stoffwechselaktivität wider.¹,²

Häufig beschriebene Befunde sind:

  • Müdigkeit, verminderte Belastbarkeit, Antriebsminderung.
  • Kälteempfindlichkeit, kühle Haut.
  • Gewichtszunahme bei unverändertem Ernährungs- und Bewegungs- muster.
  • Trockene, raue Haut, brüchige Nägel, sprödes Haar, Haarausfall mit Lichtung im seitlichen Augenbrauen-Drittel.
  • Obstipation.
  • Bradykardie, gegebenenfalls diastolische Hypertonie, erhöhte Werte des LDL-Cholesterins als Folge des verlangsamten Stoffwechsels.
  • Konzentrationsstörungen, Verlangsamung kognitiver Abläufe, Stimmungsveränderungen, depressive Symptomatik.
  • Myalgien, Muskelschwäche und Muskelsteifigkeit, Arthralgien.
  • Zyklusunregelmässigkeiten, verringerte Fertilität.
  • Heisere Stimme, geschwollenes Gesicht („Myxödem"), gegebenenfalls ein Kropf (Struma) bei vergrösserter Schilddrüse.

Bei älteren Personen kann die klassische Symptomkonstellation fehlen oder als alterstypische Veränderung fehlgedeutet werden. Eine atypische Präsentation mit Verwirrtheit, Gedächtnis- veränderungen oder depressiver Symptomatik gehört zu den beschriebenen Befunden.¹³

Myxödem-Koma

Das Myxödem-Koma ist die schwerste Dekompensation einer unbehandelten oder unterbehandelten Hypothyreose und eine endokrinologische Notfallsituation. Klinisch finden sich Bewusstseinstrübung bis zum Koma, ausgeprägte Hypothermie, Hypoventilation mit Hypoxie und Hyperkapnie, Hypotonie und Bradykardie. Auslöser sind häufig interkurrente Infektionen, Kälteexposition, Sedativa oder Operationen. Die berichtete Sterblichkeit liegt auch unter optimaler intensivmedizinischer Behandlung in der Grössenordnung von zwanzig bis sechzig Prozent.⁶

4. Diagnostik

Da die Symptome unspezifisch sind, stützt sich die Diagnose primär auf die Labordiagnostik der hypothalamus-hypophysen- thyreoidalen Achse, ergänzt durch eine Schilddrüsensonographie und gegebenenfalls die Bestimmung von Schilddrüsen-Autoantikörpern.¹,²,⁴

Laborparameter

  • Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH). Der wichtigste Such-Parameter bei klinischem Verdacht. Bei primärer Hypothyreose ist TSH erhöht; bei zentraler Hypothyreose erniedrigt, niedrig-normal oder unerwartet normal trotz erniedrigtem fT4.¹,⁵
  • Freies T4 (fT4). Bestätigt die Diagnose und differenziert manifeste von subklinischer Form (manifest: fT4 erniedrigt; subklinisch: fT4 noch im Referenzbereich).¹,⁴
  • Freies T3 (fT3). Im Routine-Screening nicht regelhaft bestimmt; bei manifester Hypothyreose ebenfalls erniedrigt.
  • TPO-Antikörper und Tg-Antikörper. Zur Differenzierung der Ursache einer primären Hypothyreose; TPO-AK sind sensitivste Marker einer Autoimmunthyreoiditis.⁸
  • Anti-TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK). Zur Abgrenzung von einem Morbus Basedow bei Hyperthyreose, bei klassischer Hashimoto- Konstellation in der Regel nicht erhöht.

Die Wahl, die Reihenfolge und die Interpretation der Parameter sind Gegenstand der ärztlichen Beurteilung.

Sonographie

Die Schilddrüsensonographie gibt Aufschluss über Volumen, Struktur (echoarm und inhomogen bei Autoimmunthyreoiditis), Vaskularisation und das Vorliegen von Knoten. Knoten werden nach den jeweiligen schilddrüsen-onkologischen Beurteilungs-Kriterien eingestuft.

Differenzierung primär versus zentral

Eine zentrale Hypothyreose ist selten, in der Konstellations- Diagnostik aber wichtig, weil sich die Substitution unterscheidet und weiterführende Hypophysen-Diagnostik einschliesslich anderer Hormonachsen erforderlich ist.⁵

5. Standardtherapie

Die Standardtherapie der manifesten Hypothyreose ist die orale Substitution mit Levothyroxin (synthetisches T4). Diese Therapie ist in den Leitlinien der American Thyroid Association und der American Association of Clinical Endocrinologists (Garber et al. 2012; Jonklaas et al. 2014) sowie in den europäischen Empfehlungen als Therapie der ersten Wahl etabliert.¹⁴,¹⁵ Levothyroxin ist verschreibungspflichtiges Arzneimittel; die Indikationsstellung, die Dosierung und die Einstellung erfolgen durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt.

Dosierung und Einstellung

Die Dosis von Levothyroxin wird gewichtsadaptiert eingeleitet und nach klinischer Konstellation titriert. Bei älteren Personen und bei Personen mit kardialer Komorbidität wird üblicherweise mit niedrigeren Anfangsdosen begonnen, bei jüngeren herzgesunden Personen ist eine höhere Anfangsdosis möglich.¹⁴,¹⁵ Konkrete Dosis- und Verlaufsentscheidungen gehören in die ärztliche Beurteilung; die Fachinformation des jeweiligen Präparates nennt die Einnahme- und Abstandsempfehlungen.

Bekannt und in den Leitlinien gleichermassen empfohlen sind die Einnahme nüchtern mit ausreichendem Abstand zur Mahlzeit sowie ein zeitlicher Abstand zu Präparaten, die die Resorption beeinträchtigen können (calcium-, eisen- oder aluminiumhaltige Präparate, Protonenpumpenhemmer, einzelne Antibiotika sowie einige Nahrungsergänzungsmittel mit den genannten Bestandteilen).¹⁵

Therapieziel und Verlaufskontrolle

Therapieziel ist ein TSH-Wert im Referenzbereich und die Besserung der hypothyreoten Symptome. Die laborchemische Kontrolle nach Therapiebeginn oder Dosisänderung erfolgt frühestens nach mehreren Wochen; in stabiler Einstellung sind die Kontroll- Intervalle länger.¹⁵ Bei Schwangerschaft, Kinderwunsch oder bestimmten Komorbiditäten gelten abweichende Zielbereiche (siehe Abschnitt 7).

Kombinationstherapie T4 plus T3

Eine Kombinationstherapie aus Levothyroxin und Liothyronin (T3) oder die Verwendung getrockneter Schilddrüsenextrakte ist in der Literatur diskutiert worden. Die ATA-Leitlinien (Jonklaas et al. 2014) und nachfolgende Aktualisierungen halten die Levothyroxin- Monotherapie für die Standardbehandlung. In einzelnen klinischen Konstellationen mit persistierender Symptomatik trotz biochemisch eingestellter Schilddrüsenlage ist eine zeitlich begrenzte Kombinationstherapie diskutiert; die Indikationsstellung gehört in die spezialärztliche Beurteilung.¹⁵

Persistierende Symptomatik bei euthyreoter Konstellation

Ein Teil der substituierten Patientinnen und Patienten berichtet über persistierende Symptome trotz biochemisch im Referenzbereich liegender Schilddrüsenparameter. Im klinischen Vorgehen werden hier andere Erklärungsmöglichkeiten ärztlich abgeklärt; je nach Befund sind weitere Differentialdiagnosen (Eisen- oder Vitamin- B12-Status, depressive Symptomatik, Schlafmedizin) Gegenstand der ärztlichen Beurteilung. Daten zu Häufigkeit und Profil persistierender Symptome unter Levothyroxin sind heterogen.¹⁵,¹⁶

6. Subklinische Hypothyreose

Eine subklinische Hypothyreose (TSH erhöht, fT4 noch im Referenzbereich) wird nicht regelhaft behandelt. Die Behandlungsindikation orientiert sich an der Höhe des TSH-Wertes, am Antikörperbefund, an der Symptomatik, am Alter und an Begleit- faktoren wie einer aktuellen oder geplanten Schwangerschaft.⁴,¹⁴ Die jährliche Progression in eine manifeste Hypothyreose ist in den Whickham-Daten und ihren Folgeauswertungen in einer Grössenordnung von wenigen Prozentpunkten pro Jahr beschrieben und ist mit höherem Ausgangs-TSH und positivem TPO-AK-Befund stärker assoziiert.¹⁷

Für ältere Personen mit milder subklinischer Hypothyreose lieferte die TRUST-Studie (Stott et al. 2017, n = 737, Personen ab 65 Jahren) unter einer Substitution mit Levothyroxin gegenüber Placebo keinen Vorteil bei den primären Endpunkten Lebensqualität und Müdigkeit; diese Daten gehören zur Begründung der zurückhaltenden Indikationsstellung in dieser Altersgruppe.¹⁸ Eine Übertherapie mit ausgesprochen niedrigem TSH ist mit dem Auftreten von Vorhofflimmern und mit Knochendichteveränderungen assoziiert.

7. Besondere Situationen

Schwangerschaft und Kinderwunsch

Schilddrüsenhormone sind für die fetale neurokognitive Entwicklung wesentlich. Eine unbehandelte Hypothyreose in der Schwangerschaft ist in epidemiologischen Daten mit einem erhöhten Risiko für Fehl- und Frühgeburten sowie für Entwicklungsstörungen assoziiert.¹⁹ Die 2017er Leitlinien der American Thyroid Association nennen schwangerschaftsspezifische TSH-Zielbereiche mit niedrigerer Obergrenze als ausserhalb der Schwangerschaft und eine in der Regel erforderliche Anpassung der bestehenden Levothyroxin-Dosis nach Eintritt der Schwangerschaft.¹⁹ Indikation, Höhe und Steuerung gehören in die ärztliche Mit-Betreuung der Schwangerschaft.

Ältere Personen

Bei älteren Personen ist ein leicht erhöhter TSH-Wert nicht automatisch behandlungspflichtig (siehe Abschnitt 6). Eine Therapieeinleitung in dieser Altersgruppe erfolgt zurückhaltender und mit niedrigeren Anfangsdosen.¹³,¹⁴

8. Ernährung und Lebensstil

Allgemeine Empfehlungen zu ausgewogener Ernährung, zu Bewegung, zu ausreichendem Schlaf und zu Stressreduktion gelten unabhängig vom Vorliegen einer Hypothyreose. Eine schilddrüsen-spezifische Verzehrempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten. Die Jodversorgung ist Bestandteil einer ärztlichen Einzelfall- Beurteilung; sowohl Jodmangel als auch eine länger andauernd sehr hohe Jodzufuhr sind in epidemiologischen Daten mit einer erhöhten Häufigkeit von Schilddrüsenerkrankungen verbunden.⁷

Auf EU-Ebene sind gesundheitsbezogene Aussagen zur Schilddrüsen- funktion ausschliesslich für Jod (Identifikationsnummern 274 und 1237 im Register der Health-Claims-Verordnung, VO (EG) Nr. 1924/2006) und für Selen (Identifikationsnummer 1750) zugelassen. Für andere häufig diskutierte Stoffe (Vitamin D, Eisen, Vitamin B12, Zink, Magnesium, Omega-3-Fettsäuren) ist im EU-Register kein schilddrüsen-bezogener Health Claim eingetragen. Eine Substitution einzelner Mikronährstoffe ist keine Therapie der Hypothyreose und ersetzt nicht die ärztliche Behandlung. Im Verlauf einer Hypothyreose-Versorgung sind die zeitlichen Einnahme-Abstände zwischen Levothyroxin und einzelnen Nahrungs- ergänzungsmitteln (insbesondere Calcium-, Eisen- und Aluminium-haltige Präparate) ärztlich zu beachten.

9. Verlauf und Prognose

Die manifeste Hypothyreose ist unter Levothyroxin-Substitution eine gut steuerbare Erkrankung. Die Mehrzahl der Behandelten erreicht unter geeigneter Einstellung einen TSH-Wert im Referenzbereich und eine deutliche Rückbildung der hypothyreoten Symptome.¹,¹⁵ Die zugrundeliegende Erkrankung — insbesondere die Autoimmunthyreoiditis — bleibt in der Regel bestehen; eine Substitution ist üblicherweise lebenslang erforderlich.

10. Zusammenfassung

Die Hypothyreose ist eine vergleichsweise häufige endokrinologische Erkrankung. Ihre Ursachen reichen von der autoimmunen Thyreoiditis über Jodmangel und iatrogene Ursachen bis hin zu medikamenten- induzierten und zentralen Formen. Die Diagnose stützt sich auf TSH, fT4 und die Schilddrüsensonographie, ergänzt durch Antikörperbestimmungen. Die Standardtherapie einer manifesten Form ist die orale Substitution mit Levothyroxin durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt mit laborchemischer Verlaufskontrolle. Indikation, Höhe und Steuerung einer Therapie sowie die Beurteilung der subklinischen Form sind Gegenstand der individuellen ärztlichen Beurteilung.


Dieser Artikel dient der allgemeinen wissenschaftlichen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Bei Beschwerden, bestehenden Erkrankungen, Schwangerschaft, Stillzeit oder paralleler Medikamenteneinnahme ist eine ärztliche Abklärung erforderlich. Nahrungsergänzungsmittel können Neben- und Wechselwirkungen haben.

Quellenverzeichnis

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