Mineralstoffe und Spurenelemente: Bausteine für die Gesundheit

Mineralstoffe und Spurenelemente: Bausteine für die Gesundheit

Mineralstoffe sind anorganische Nährstoffe, die der Körper nicht selbst herstellen kann und daher über die Nahrung aufnehmen muss. Sie erfüllen vielfältige Funktionen: von der Knochenbildung über die Nervenfunktion bis hin zur Hormonproduktion. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) unterscheidet zwischen Mengenelementen (Makromineralien) und Spurenelementen.1

Anders als bei Vitaminen geht es bei Mineralstoffen nicht um organische Verbindungen, sondern um chemische Elemente. Der Körper eines Erwachsenen enthält etwa 4–5 % Mineralstoffe – das entspricht bei einem 70-kg-Menschen rund 3 kg.2

📋 Mineralstoffe: Die zwei Kategorien

Mengenelemente (>50 mg/Tag Bedarf): Kalzium, Magnesium, Kalium, Natrium, Phosphor, Chlorid – kommen in grösseren Mengen im Körper vor

Spurenelemente (<50 mg/Tag Bedarf): Eisen, Zink, Selen, Jod, Kupfer, Mangan, Chrom, Molybdän, Fluorid – nur in Spuren benötigt, aber essenziell

 

Mengenelemente (Makromineralien)

Mengenelemente werden in Mengen von mehr als 50 mg pro Tag benötigt und kommen im Körper in grösseren Konzentrationen vor. Sie sind essenziell für Struktur (Knochen, Zähne) und Funktion (Nerven, Muskeln, Flüssigkeitshaushalt).3

Kalzium (Ca)

Kalzium ist der mengenmässig wichtigste Mineralstoff im Körper. Etwa 99 % befinden sich in Knochen und Zähnen, das restliche 1 % ist für Signalübertragung und Muskelkontraktion essenziell.4

Aspekt

Details

Funktionen

Knochen- und Zahnbildung, Muskelkontraktion, Nervenfunktion, Blutgerinnung, Herzrhythmus, Zellsignaling

NRV / DACH

NRV: 800 mg | DACH: 1000 mg (Erwachsene), 1200 mg (Jugendliche, Schwangere ab 19 J.)

Quellen

Milchprodukte, Hartkäse, grünes Blattgemüse (Brokkoli, Grünkohl), Mineralwasser, Mandeln, Sesam, Tofu

Mangelsymptome

Muskelkrämpfe, Kribbeln, Osteoporose (langfristig), Tetanie, Herzrhythmusstörungen

UL / Hinweise

UL: 2500 mg/Tag | Aufnahme mit Vitamin D verbessert; Oxalsäure und Phytinsäure hemmen Aufnahme

 

Magnesium (Mg)

Magnesium ist an über 600 enzymatischen Reaktionen beteiligt und spielt eine Schlüsselrolle im Energiestoffwechsel. Etwa 60 % befinden sich in den Knochen, 40 % in Muskeln und Weichgewebe.5

Aspekt

Details

Funktionen

Energiestoffwechsel (ATP), Muskel-/Nervenfunktion, Proteinsynthese, Blutzuckerregulation, Blutdruckregulation

NRV / DACH

NRV: 375 mg | DACH: 350–400 mg (Männer), 300–310 mg (Frauen)

Quellen

Vollkornprodukte, Nüsse (Cashews, Mandeln), Hülsenfrüchte, grünes Gemüse, Kakao, Bananen, Mineralwasser

Mangelsymptome

Muskelkrämpfe, Müdigkeit, Reizbarkeit, Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen

UL / Formen

UL: 250 mg/Tag (nur Supplemente) | Citrat, Glycinat besser bioverfügbar als Oxid

 

Weiterführend: Magnesium und Schilddrüse: Unterschätzter Helfer

Kalium (K)

Aspekt

Details

Funktionen

Zellmembranpotenzial, Nervenleitung, Muskelkontraktion, Blutdruckregulation, Wasser-Elektrolyt-Haushalt

NRV / DACH

NRV: 2000 mg | DACH: 4000 mg (Schätzwert)

Quellen

Bananen, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Tomaten, Avocado, Spinat, Trockenfrüchte, Nüsse

Mangelsymptome

Muskelschwäche, Herzrhythmusstörungen, Verstopfung, Müdigkeit – Cave: Diuretika können Mangel auslösen

 

Weitere Mengenelemente: Natrium, Phosphor, Chlorid

Element

Hauptfunktionen

DACH-Wert

Quellen

Natrium

Flüssigkeitshaushalt, Nervenfunktion, Nährstofftransport

1500 mg (max. 2300)

Kochsalz, verarbeitete Lebensmittel

Phosphor

Knochen/Zähne (mit Ca), ATP-Bildung, DNA/RNA, Zellmembranen

700 mg

Fleisch, Fisch, Milch, Hülsenfrüchte

Chlorid

Magensäure (HCl), Flüssigkeitshaushalt, Säure-Basen-Balance

2300 mg

Kochsalz, Meeresfrüchte

 

Spurenelemente

Spurenelemente werden nur in geringen Mengen (unter 50 mg/Tag) benötigt, sind aber für zahlreiche biochemische Prozesse unverzichtbar. Viele fungieren als Cofaktoren für Enzyme oder sind Bestandteil von Hormonen.6

Eisen (Fe)

Eisenmangel ist weltweit der häufigste Nährstoffmangel. Der Körper enthält 3–5 g Eisen, wovon etwa 70 % im Hämoglobin gebunden sind. Die Regulation erfolgt primär über die Aufnahme, nicht über die Ausscheidung.7

Aspekt

Details

Funktionen

Sauerstofftransport (Hämoglobin), Energiestoffwechsel (Cytochrome), Immunfunktion, Kollagensynthese, Neurotransmitter

NRV / DACH

NRV: 14 mg | DACH: 10 mg (Männer), 15 mg (Frauen vor Menopause), 30 mg (Schwangere)

Quellen

Häm-Eisen (gut): Fleisch, Leber, Fisch | Non-Häm (mässig): Hülsenfrüchte, Vollkorn, grünes Gemüse

Mangelsymptome

Müdigkeit, Blässe, Kurzatmigkeit, Haarausfall, brüchige Nägel, Konzentrationsstörungen, Kälteempfindlichkeit

UL / Tipp

UL: 45 mg/Tag | Vitamin C verbessert Aufnahme; Kaffee/Tee hemmen; Ferritin als Speichermarker

 

Weiterführend: Eisen und Schilddrüse: Warum Ferritin wichtig ist

Zink (Zn)

Zink ist Cofaktor für über 300 Enzyme und spielt eine zentrale Rolle für Immunsystem, Wundheilung und Proteinsynthese. Der Körper enthält etwa 2–3 g Zink, hat aber keine nennenswerten Speicher.8

Aspekt

Details

Funktionen

Immunfunktion, Wundheilung, DNA-Synthese, Proteinsynthese, Zellwachstum, Sinnesfunktionen (Geschmack, Geruch)

NRV / DACH

NRV: 10 mg | DACH: 11–16 mg (Männer), 7–10 mg (Frauen) – abhängig von Phytatgehalt der Ernährung

Quellen

Austern (sehr hoch!), Fleisch, Leber, Käse, Nüsse, Kürbiskerne, Hülsenfrüchte

Mangelsymptome

Infektanfälligkeit, verzögerte Wundheilung, Haarausfall, Hautprobleme, Geschmacks-/Geruchsstörungen

UL / Cave

UL: 25 mg/Tag | Hohe Dosen können Kupfermangel auslösen; Konkurrenz bei Absorption

 

Weiterführend: Zink und Schilddrüse: Funktionen und Mangel

Selen (Se)

Selen ist essenziell für die Schilddrüsenfunktion – die Schilddrüse enthält pro Gramm Gewebe mehr Selen als jedes andere Organ. Es ist Bestandteil der Deiodasen, die T4 in T3 umwandeln.9

Aspekt

Details

Funktionen

Schilddrüsenhormone (Deiodasen), antioxidativer Schutz (Glutathionperoxidase), Immunfunktion, Spermatogenese

NRV / DACH

NRV: 55 µg | DACH: 70 µg (Männer), 60 µg (Frauen)

Quellen

Paranüsse (1–2 decken Tagesbedarf!), Fisch, Meeresfrüchte, Fleisch, Eier – Gehalt abhängig vom Boden

Mangelsymptome

Schilddrüsenprobleme, Immunschwäche, Muskelschwäche, Keshan-Krankheit (Kardiomyopathie)

UL / Hashimoto

UL: 300 µg/Tag | Bei Hashimoto: 200 µg/Tag kann TPO-AK senken (Studien); Selenomethionin bevorzugt

 

Weiterführend: Selen und Schilddrüse: Wirkung und Dosierung · Deiodasen: Die Schlüsselenzyme der Konversion

Jod (I)

Jod ist ein essenzieller Bestandteil der Schilddrüsenhormone T3 und T4. Die Schweiz und weite Teile Europas gelten als Jodmangelgebiete, weshalb Jodsalz empfohlen wird.10

Aspekt

Details

Funktionen

Synthese der Schilddrüsenhormone T3 und T4, Regulation des Stoffwechsels, kindliche Entwicklung

NRV / DACH

NRV: 150 µg | DACH: 200 µg (Erwachsene), 230 µg (Schwangere), 260 µg (Stillende)

Quellen

Jodsalz, Seefisch, Meeresfrüchte, Algen (Cave: sehr hohe Gehalte!), Milchprodukte

Mangelsymptome

Kropf (Struma), Hypothyreose, Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kretinismus (Schwangerschaft)

UL / Hashimoto

UL: 600 µg/Tag | Bei Hashimoto: Kontrovers diskutiert – nicht ohne ärztliche Kontrolle supplementieren!

 

Weiterführend: Jod bei Hashimoto: Meiden oder supplementieren?

Weitere Spurenelemente: Kupfer, Mangan, Chrom, Molybdän

Element

Hauptfunktionen

NRV

Quellen

Kupfer

Eisenstoffwechsel, Bindegewebe, Nervensystem, Antioxidans (SOD)

1 mg

Innereien, Nüsse, Kakao, Vollkorn

Mangan

Knochenstoffwechsel, Antioxidans (MnSOD), Kohlenhydratstoffwechsel

2 mg

Vollkorn, Nüsse, Tee, Hülsenfrüchte

Chrom

Insulinwirkung, Glukosestoffwechsel, Lipidstoffwechsel

40 µg

Vollkorn, Fleisch, Bierhefe, Nüsse

Molybdän

Cofaktor für Oxidasen (Sulfitoxidase, Xanthinoxidase)

50 µg

Hülsenfrüchte, Vollkorn, Nüsse

 

Mineralstoffe und Schilddrüsenfunktion

Die Schilddrüse ist besonders abhängig von einer ausreichenden Versorgung mit bestimmten Mineralstoffen. Jod, Selen, Eisen und Zink sind für die Hormonproduktion und -konversion essenziell.9

Mineral

Rolle für die Schilddrüse

Jod

Baustein der Schilddrüsenhormone T3 und T4; ohne Jod keine Hormonproduktion möglich

Selen

Bestandteil der Deiodasen (T4→T3-Konversion) und Glutathionperoxidase (Schutz vor oxidativem Stress)

Eisen

Cofaktor der Thyreoperoxidase (TPO); Eisenmangel beeinträchtigt Hormonproduktion

Zink

Beteiligt an TSH-Produktion, T3-Rezeptorbindung und Deiodasefunktion

Magnesium

ATP-abhängige Prozesse in der Schilddrüse; Mangel kann Symptome verstärken

 

Weiterführend: Mikronährstoffe für die Schilddrüse: Überblick · T4-T3-Umwandlung: Der komplette Guide · Konversionsstörung: Wenn L-Thyroxin nicht ausreicht

Bioverfügbarkeit: Nicht nur die Menge zählt

Die Aufnahme von Mineralstoffen im Darm hängt von zahlreichen Faktoren ab. Die chemische Form des Mineralstoffs, Begleitstoffe in der Nahrung und der individuelle Versorgungsstatus spielen eine entscheidende Rolle.6

Fördert die Aufnahme

✗ Hemmt die Aufnahme

Vitamin C + Eisen (Non-Häm)

Phytinsäure (Getreide, Hülsenfrüchte) hemmt Eisen, Zink, Kalzium

Vitamin D + Kalzium

Oxalsäure (Spinat, Rhabarber) hemmt Kalzium

Organische Säuren (Citrat, Milchsäure)

Polyphenole (Tee, Kaffee) hemmen Eisen

Fermentation (Sauerteig, Joghurt)

Hohe Kalziumdosen hemmen Eisen und Zink

Chelierte Formen (Glycinat, Bisglycinat)

Zink und Kupfer konkurrieren um Transporter

 

💡 Praktische Tipps zur Mineralstoffversorgung

• Eisenpräparate nicht mit Kaffee, Tee oder Milchprodukten einnehmen

• Kalzium und Eisen zeitversetzt supplementieren (2–4 Stunden Abstand)

• Magnesium: Citrat oder Glycinat haben höhere Bioverfügbarkeit als Oxid

• Zink: Nicht zusammen mit Kupfer supplementieren

• Vollkornprodukte einweichen oder fermentieren reduziert Phytinsäure

 

Zusammenfassung

Mineralstoffe sind essenzielle anorganische Nährstoffe, die für Struktur und Funktion des Körpers unverzichtbar sind. Mengenelemente wie Kalzium, Magnesium und Kalium werden in grösseren Mengen benötigt, während Spurenelemente wie Eisen, Zink, Selen und Jod nur in geringen Mengen erforderlich, aber nicht weniger wichtig sind. Für die Schilddrüsenfunktion sind insbesondere Jod, Selen, Eisen und Zink von Bedeutung. Die Bioverfügbarkeit hängt von der chemischen Form und Nahrungsbegleitstoffen ab. Eine ausgewogene Ernährung deckt meist den Bedarf, bei erhöhtem Bedarf oder nachgewiesenem Mangel kann eine gezielte Supplementation sinnvoll sein.

Weiterführende Artikel: Vitamine: Essenzielle Mikronährstoffe für den Körper · Antioxidantien: Schutzschild gegen freie Radikale · Was sind Nahrungsergänzungsmittel? Definition, Arten und Qualität

Quellenverzeichnis

1 European Food Safety Authority (EFSA). Dietary Reference Values for nutrients: Summary report. EFSA Supporting Publications. 2017;14(12):e15121.

2 Biesalski HK, Grimm P, Nowitzki-Grimm S. Taschenatlas Ernährung. 8. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020.

3 Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). DACH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 2. Auflage. Bonn: DGE; 2023.

4 European Food Safety Authority (EFSA). Scientific Opinion on Dietary Reference Values for calcium. EFSA Journal. 2015;13(5):4101.

5 de Baaij JHF, Hoenderop JGJ, Bindels RJM. Magnesium in man: implications for health and disease. Physiological Reviews. 2015;95(1):1-46.

6 Gropper SS, Smith JL. Advanced Nutrition and Human Metabolism. 7th ed. Boston: Cengage Learning; 2018.

7 World Health Organization (WHO). Iron deficiency anaemia: assessment, prevention, and control. Geneva: WHO; 2001.

8 Prasad AS. Discovery of human zinc deficiency: its impact on human health and disease. Advances in Nutrition. 2013;4(2):176-190.

9 Ventura M, Melo M, Carrilho F. Selenium and Thyroid Disease: From Pathophysiology to Treatment. International Journal of Endocrinology. 2017;2017:1297658.

10 Zimmermann MB, Boelaert K. Iodine deficiency and thyroid disorders. The Lancet Diabetes & Endocrinology. 2015;3(4):286-295.

 

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschliesslich der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine qualifizierte Fachperson.

 

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