Hyperthyreose: Krankheitsbild, Diagnostik und Standardtherapie

Hyperthyreose: Krankheitsbild, Diagnostik und Standardtherapie

Die Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) ist eine endokrinologische Erkrankung, bei der die Schilddrüse mehr Hormone (Thyroxin, T4; Triiodthyronin, T3) produziert, als peripher benötigt werden. Schilddrüsenhormone wirken auf nahezu alle Stoffwechselgewebe; eine manifeste Überfunktion betrifft deshalb multiple Organsysteme.¹,²

Begrifflich ist zwischen Hyperthyreose und Thyreotoxikose zu unterscheiden. Hyperthyreose meint die gesteigerte Produktion und Freisetzung von Schilddrüsenhormonen durch die Schilddrüse selbst, Thyreotoxikose den klinischen Zustand eines Hormon- überschusses im Körper unabhängig von der Ursache; eine Thyreotoxikose kann auch ohne primäre Mehrproduktion durch Hormonfreisetzung aus einer entzündlich veränderten Schilddrüse oder durch exogene Hormonzufuhr entstehen.¹,² In den US-amerika- nischen Daten der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES III, Hollowell et al. 2002, n = 17 353) lag die Prävalenz der manifesten Hyperthyreose bei 0,5 Prozent und die der subklinischen Hyperthyreose bei 0,7 Prozent.³ Frauen und ältere Personen sind häufiger betroffen.¹,³ Dieser Artikel fasst Ursachen, klinische Präsentation, laborchemische und sonographische Diagnostik sowie die Standardtherapie sachlich zusammen und ersetzt keine ärztliche Beurteilung im Einzelfall.

1. Begriff und Schweregrade

Eine Hyperthyreose lässt sich nach dem laborchemischen Ausmass einteilen:¹,²

  • Manifeste (klinische) Hyperthyreose. TSH supprimiert, freies T4 (fT4) und in der Regel auch freies T3 (fT3) erhöht; klinische Symptome meist nachweisbar.
  • Subklinische (latente) Hyperthyreose. TSH supprimiert, fT4 und fT3 noch im Referenzbereich; klinische Symptome können fehlen oder gering ausgeprägt sein.
  • Thyreotoxische Krise. Schwerste Dekompensation einer Thyreotoxikose mit Multi-Organ-Beteiligung und endokrinologischer Notfall-Situation.⁴

2. Ursachen

Die häufigsten Ursachen einer Hyperthyreose unterscheiden sich nach der Jodversorgung der Bevölkerung. In jodausreichenden Regionen — Schweiz, Deutschland, Österreich, weite Teile Europas, Nordamerika — dominiert der Morbus Basedow; in Regionen mit historisch eingeschränkter Jodversorgung treten die toxische multinoduläre Struma und das toxische Adenom häufiger auf.¹,²

Morbus Basedow

Der Morbus Basedow (im englischsprachigen Raum „Graves' disease") ist eine organspezifische Autoimmunerkrankung. Im Serum lassen sich Autoantikörper gegen den TSH-Rezeptor (TRAK) nachweisen; diese stimulieren den Rezeptor und führen zu einer ungeregelten, TSH-unabhängigen Hormonproduktion.¹,⁵ Charakteristisch sind eine diffuse Struma sowie, bei einem Teil der Diagnostizierten, eine endokrine Orbitopathie mit Lidretraktion, Exophthalmus, Doppelbildern und in schweren Verläufen Sehbeeinträchtigung.⁵ Rauchen ist als unabhängiger Risikofaktor für das Auftreten und für den Schweregrad der endokrinen Orbitopathie etabliert.⁵ Selten findet sich ein prätibiales Myxödem als kutane Manifestation.

Schilddrüsenautonomie (toxische multinoduläre Struma,

toxisches Adenom)

Bei der Schilddrüsenautonomie produzieren ein oder mehrere Knoten Schilddrüsenhormone unabhängig von der TSH-Regulation. Die unifokale Form wird als toxisches Adenom bezeichnet; bei mehreren autonom funktionierenden Knoten in einer Struma spricht man von einer toxischen multinodulären Struma (historisch Morbus Plummer).⁶ Anders als beim Morbus Basedow fehlen Autoantikörper und endokrine Orbitopathie; die Hyperthyreose entwickelt sich häufig schleichend über Jahre. Die Schilddrüsenautonomie ist in ehemaligen Jodmangelgebieten und im höheren Lebensalter häufiger.⁶

Thyreoiditiden (transiente Thyreotoxikosen)

Entzündungen der Schilddrüse können durch Freisetzung präformiert gespeicherter Hormone eine vorübergehende Thyreotoxikose verursachen. Charakteristisch sind in dieser Phase erhöhte periphere Schilddrüsenwerte bei niedriger Radionuklidaufnahme im Szintigramm.¹,²

  • Subakute Thyreoiditis de Quervain. Typischerweise nach einem viralen Infekt; klinisch schmerzhafter Verlauf mit initialer hyperthyreoter, anschliessend hypothyreoter Phase, in der Regel mit Erholung der Funktion.¹
  • Postpartum-Thyreoiditis. Im ersten Jahr nach einer Geburt; Häufigkeit in unselektionierten Kohorten in der Grössenordnung von wenigen Prozent. Verlauf häufig erst hyperthyreote, dann hypothyreote Phase; ein Übergang in eine bleibende Hypothyreose ist möglich.¹
  • Stille (schmerzlose) lymphozytäre Thyreoiditis. Pathogenetisch autoimmun, klinischer Verlauf vergleichbar der Postpartum-Form.¹

Iatrogene und exogene Ursachen

  • Jod-induzierte Hyperthyreose. Bei vorbestehender Schilddrüsen- autonomie kann eine erhöhte Jodzufuhr (zum Beispiel durch jodhaltige Kontrastmittel oder amiodaronhaltige Medikamente) eine manifeste Hyperthyreose auslösen.⁷
  • Amiodaron-assoziierte Thyreotoxikose. Amiodaron enthält in der Molekülstruktur Jod; es kann sowohl eine Hypo- als auch eine Hyperthyreose induzieren. Die ETA-Leitlinien 2018 beschreiben das Vorgehen.⁷
  • Exogene Thyreotoxikose (Thyreotoxicosis factitia). Durch übermässige Zufuhr von Schilddrüsenhormon-Präparaten, etwa im Rahmen einer Über-Substitution oder einer Selbstmedikation.¹

Seltene Ursachen

Sehr selten ist eine zentrale (TSH-vermittelte) Hyperthyreose durch ein TSH-produzierendes Hypophysenadenom; charakteristisch ist die Konstellation aus erhöhten peripheren Hormonen und nicht supprimiertem TSH.¹ Eine ektope Hormonproduktion findet sich beim seltenen Struma ovarii (Schilddrüsengewebe in einem Ovarialteratom) und in trophoblastären Erkrankungen, bei denen hohe β-hCG-Konzentrationen den TSH-Rezeptor schwach mitstimulieren können.¹

3. Symptome

Die Symptome einer Hyperthyreose ergeben sich aus dem gesteigerten Stoffwechsel und der erhöhten Empfindlichkeit für Katecholamine.¹,² Häufig beschriebene Befunde sind:

  • Innere Unruhe, Reizbarkeit, Nervosität.
  • Wärmeintoleranz, vermehrtes Schwitzen, warme und feuchte Haut.
  • Gewichtsverlust trotz erhaltenen oder gesteigerten Appetits.
  • Müdigkeit und Muskelschwäche.
  • Tachykardie, Palpitationen, gehäuft supraventrikuläre Herzrhythmusstörungen einschliesslich Vorhofflimmern, in einem Teil der Fälle erhöhter systolischer Blutdruck.
  • Feinschlägiger Tremor, gesteigerte Reflexe.
  • Häufigerer Stuhlgang oder Diarrhoe.
  • Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Angst.
  • Zyklusunregelmässigkeiten, verminderte Fertilität.
  • Vergrösserung der Schilddrüse (Struma), bei Morbus Basedow typischerweise diffus.
  • Bei Morbus Basedow zusätzlich endokrine Orbitopathie (Lidretraktion, Exophthalmus, Fremdkörpergefühl, Tränenfluss, Doppelbilder, in schweren Fällen Sehverlust durch Kompression des Sehnervs).⁵

Atypische Präsentation bei älteren Personen

Im höheren Lebensalter kann die klassische Symptomkonstellation fehlen. Trivalle et al. 1996 berichteten in einer vergleichenden Erhebung an 34 Patientinnen und Patienten ab 70 Jahren gegenüber 50 Patientinnen und Patienten unter 50 Jahren deutlich seltener Tremor, Hyperreflexie, Schwitzen und Wärmeintoleranz; Vorhof- flimmern und Appetitminderung waren in der älteren Gruppe häufiger beschrieben.⁸ Im klinischen Sprachgebrauch wird diese Konstellation als „apathische Hyperthyreose" bezeichnet; sie steht differential- diagnostisch unter anderem im Kontext eines neu aufgetretenen Vorhofflimmerns im höheren Lebensalter.

Thyreotoxische Krise

Die thyreotoxische Krise (Schilddrüsensturm) ist die schwerste Dekompensation einer Thyreotoxikose und eine seltene, lebens- bedrohliche Notfall-Situation. Auslöser sind häufig interkurrente Infektionen, Operationen, ein abruptes Absetzen einer Thyreostatikatherapie, jodhaltige Kontrastmittel, ein Trauma, ein akutes kardiales Ereignis oder eine Geburt.⁴,⁹ Klinisch finden sich ausgeprägte Tachykardie und Hyperthermie, eine zerebrale Beteiligung von Unruhe und Verwirrtheit bis hin zu Koma, gastro- intestinale Symptomatik und gegebenenfalls eine Herzinsuffizienz. Akamizu et al. 2012 berichten auf der Basis einer nationalen japanischen Kohorte eine Sterblichkeit im Bereich von rund 10 Prozent; ältere Literaturberichte nennen höhere Werte.⁴,⁹ Die Behandlung erfolgt intensivmedizinisch.

4. Diagnostik

Die Diagnose stützt sich auf die laborchemische Analyse der hypothalamus-hypophysen-thyreoidalen Achse, ergänzt durch eine sonographische Beurteilung und gegebenenfalls eine Szintigraphie sowie Antikörperbestimmungen.¹,²

Laborparameter

  • TSH. Der wichtigste Such-Parameter. Bei primärer Hyperthyreose ist TSH supprimiert. Eine selten beobachtete Konstellation aus erhöhten peripheren Hormonen und nicht-supprimiertem TSH lenkt auf eine zentrale Ursache (zum Beispiel ein TSH-produzierendes Hypophysenadenom).¹
  • Freies T4 (fT4) und freies T3 (fT3). Bestätigen die manifeste Form. In einem Teil der Fälle ist nur fT3 erhöht (T3-Toxikose); diese Konstellation kommt insbesondere bei Schilddrüsenautonomie und früher Erkrankungsphase vor.²
  • TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK). Hochsensitiver und hochspezifischer Marker des Morbus Basedow. Eine moderne TRAK-Bestimmung erlaubt in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle eine differentialdiagnostische Abgrenzung zwischen Morbus Basedow und Schilddrüsenautonomie ohne Szintigraphie.⁵
  • TPO-Antikörper. In niedrigeren Titern auch beim Morbus Basedow möglich; differentialdiagnostisch nicht trennscharf zwischen Morbus Basedow und Hashimoto-Thyreoiditis.

Sonographie

Die Schilddrüsensonographie beurteilt Volumen, Struktur, Vaskularisation und Knoten. Beim Morbus Basedow findet sich typischerweise eine diffus vergrösserte, echoarme Schilddrüse mit gesteigerter Vaskularisation; bei Schilddrüsenautonomie ein oder mehrere fokale Befunde.²,⁵ Knoten werden nach den jeweiligen sonographischen Beurteilungs-Kriterien (TIRADS oder vergleichbar) eingestuft.

Szintigraphie

Die Schilddrüsenszintigraphie mit Technetium-99m oder Jod-123 differenziert das Funktionsmuster der Schilddrüse:²

  • Diffus erhöhte Aufnahme: vereinbar mit Morbus Basedow.
  • Fokale Aufnahme bei supprimiertem Umgebungsgewebe: vereinbar mit autonomem Adenom oder mit multinodulärer Autonomie.
  • Niedrige bis fehlende Aufnahme: vereinbar mit destruktiver Thyreoiditis (de Quervain, Postpartum-, stille Form) oder exogener Hormonzufuhr.

Indikation und Reihenfolge der Untersuchungen sind Gegenstand der ärztlichen Beurteilung. Bei klarer TRAK-Konstellation und typischer Sonographie kann auf eine Szintigraphie verzichtet werden.⁵

5. Standardtherapie

Für die Behandlung der Hyperthyreose stehen drei etablierte Optionen zur Verfügung: medikamentös mit Thyreostatika, ablativ mit Radiojod oder operativ mittels Thyreoidektomie. Die Wahl der Therapie wird in den Leitlinien der American Thyroid Association (Ross et al. 2016) und der European Thyroid Association (Kahaly et al. 2018 für Morbus Basedow) als individuelle Entscheidung unter Berücksichtigung von Ursache, Alter, Begleit-Erkrankungen und Patientenpräferenz beschrieben.²,⁵,¹⁰ Indikationsstellung, Substanzwahl, Dosierung und Steuerung erfolgen ausschliesslich ärztlich.

Symptomatische Therapie

Unabhängig von der definitiven Therapie werden Betablocker (in der Regel Propranolol) zur raschen Symptomlinderung eingesetzt; sie reduzieren Tachykardie, Tremor und Nervosität. Propranolol hemmt zusätzlich die periphere Konversion von T4 zu T3.²,¹⁰

Thyreostatika

Thyreostatika (Thionamide) hemmen die Schilddrüsen-Hormonsynthese. In Europa ist Thiamazol (Methimazol) bzw. das Prodrug Carbimazol das Mittel der ersten Wahl; Propylthiouracil wird in spezifischen Situationen (zum Beispiel im ersten Schwangerschaftstrimester wegen geringeren teratogenen Risikos) eingesetzt.²,⁵,¹⁰

Bei einem Morbus Basedow erfolgt eine Therapie über typischerweise zwölf bis achtzehn Monate, anschliessend wird ein Absetzversuch unternommen. Ein Teil der Behandelten erreicht eine anhaltende Remission; nach Kahaly et al. 2018 liegen die berichteten Remissionsraten in der Grössenordnung von 30 bis 50 Prozent, mit ungünstigerer Prognose bei persistierend hohen TRAK-Titern, ausgeprägter Hyperthyreose zu Beginn und grossem Strumavolumen.⁵

Bei einer Schilddrüsenautonomie führt eine zeitlich begrenzte Thyreostatika-Therapie nicht zu einer dauerhaften Remission, weil die zugrundeliegende Knotenautonomie persistiert; in dieser Konstellation gilt die definitive Therapie (Radiojod oder Operation) als bevorzugt.²,⁶

Eine seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung der Thionamide ist die Agranulozytose; das Auftreten von Fieber und Halsschmerzen unter Therapie ist ein Warnzeichen, das eine umgehende ärztliche Abklärung mit Blutbildkontrolle erforderlich macht.¹⁰ Weitere Nebenwirkungen umfassen Hautausschlag, gastrointestinale Beschwerden und in seltenen Fällen Leberschäden, bei Propylthiouracil einschliesslich schwerwiegender Hepatotoxizität.²,¹⁰

Radiojodtherapie

Die Radiojodtherapie mit Jod-131 wird seit Jahrzehnten als definitive Therapie eingesetzt. Das Jod-131 wird selektiv in das Schilddrüsengewebe aufgenommen und führt durch lokal applizierte Strahlung zur Reduktion oder Ablation des überaktiven Gewebes.²,¹⁰ Eine konsekutive Hypothyreose ist bei der Behandlung eines Morbus Basedow in der Regel beabsichtigt oder in Kauf genommen; sie wird anschliessend mit Levothyroxin substituiert. Bei einer aktiven oder ausgeprägten endokrinen Orbitopathie kann eine Radiojodtherapie den Augenbefund verschlechtern; nach den Kahaly-Leitlinien wird in solchen Konstellationen eine begleitende Glukokortikoid-Prophylaxe diskutiert oder eine andere Therapieoption bevorzugt.⁵ Die Radiojodtherapie ist in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert.²,⁵

Operative Therapie

Eine totale oder nahezu totale Thyreoidektomie ist die definitive operative Therapie der Hyperthyreose. Sie kommt insbesondere in Betracht bei grossen Strumen mit Kompressionssymptomatik, bei gleichzeitig nachgewiesenem oder vermutetem Schilddrüsenkarzinom, bei ausgeprägter endokriner Orbitopathie als relative Kontraindikation der Radiojodtherapie, bei Versagen oder Kontraindikation der anderen Therapieoptionen sowie auf Patientenwunsch.²,⁵,¹⁰ Spezifische operative Risiken sind die Rekurrensparese mit Heiserkeit und der Hypoparathyreoidismus mit Hypokalzämie; beide treten in spezialisierten Zentren bei einem geringen Prozentanteil der Operierten als bleibender Befund auf.²,¹⁰ Nach kompletter Thyreoidektomie ist eine lebenslange Levothyroxin- Substitution erforderlich.

Vergleich der Therapieoptionen

Die drei Therapieoptionen unterscheiden sich in Wirkdauer, Reversibilität und Nebenwirkungsprofil:

  • Thyreostatika sind weder strahlenexponierend noch operativ und ermöglichen bei Morbus Basedow im Erfolgsfall eine Remission ohne dauerhafte Schilddrüsenhormonsubstitution; sie sind mit einer relevanten Rezidivrate und mit selten schwerwiegenden Nebenwirkungen (Agranulozytose, Hepatotoxizität) verbunden.²,⁵,¹⁰
  • Die Radiojodtherapie ist definitiv und in vielen Konstellationen ambulant durchführbar, führt jedoch häufig zu einer konsekutiven Hypothyreose mit anschliessender Levothyroxin-Substitution und ist in Schwangerschaft, Stillzeit und bei aktiver endokriner Orbitopathie eingeschränkt einsetzbar.²,⁵
  • Die Thyreoidektomie beseitigt die Hyperthyreose unmittelbar und definitiv, beinhaltet die operativen Risiken und macht eine lebenslange Substitution erforderlich.²,⁵,¹⁰

6. Subklinische Hyperthyreose

Eine subklinische Hyperthyreose (TSH supprimiert, fT4 und fT3 noch im Referenzbereich) wird nicht in jedem Fall behandelt. Die Behandlungsindikation orientiert sich an der Höhe der TSH- Suppression, am Alter, an kardiovaskulären Begleitfaktoren (insbesondere Vorhofflimmern), am Knochenstatus und am Vorliegen hyperthyreoter Symptome.²,¹¹ In den ATA-Leitlinien 2016 sowie bei Biondi et al. 2005 ist eine Therapieindikation bei dauerhaft tief supprimiertem TSH (unter 0,1 mIE/l), bei älteren Personen ab 65 Jahren, bei kardialer oder ossärer Komorbidität und bei symptomatischen Verläufen beschrieben.²,¹¹

7. Besondere Situationen

Schwangerschaft

Eine unbehandelte oder unzureichend behandelte Hyperthyreose in der Schwangerschaft ist in epidemiologischen Daten mit einem erhöhten Risiko für Fehl- und Frühgeburten, Präeklampsie und fetale Komplikationen assoziiert.¹² Differentialdiagnostisch sind ein Morbus Basedow und die transiente schwangerschaftsassoziierte Thyreotoxikose (durch hohe β-hCG-Konzentrationen) abzugrenzen. Die ATA-Leitlinien 2017 beschreiben die schwangerschaftsspezifische Substanz- und Steuerungsstrategie der Thyreostatika; eine Radiojodtherapie ist in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert.¹²

Thyreotoxische Krise

Die Behandlung der thyreotoxischen Krise erfolgt intensivmedizinisch mit hochdosierten Thyreostatika, Betablockern, Glukokortikoiden, jodhaltigen Präparaten zur Hemmung der Hormonfreisetzung (nach Beginn der Thyreostatika), Fiebersenkung, Flüssigkeitsersatz und Behandlung des auslösenden Faktors.⁴,⁹

8. Ernährung und Lebensstil

Allgemeine Empfehlungen zu ausgewogener Ernährung, zu Bewegung, zu ausreichendem Schlaf und zu Stressreduktion gelten unabhängig vom Vorliegen einer Hyperthyreose. Eine schilddrüsenspezifische Verzehrempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten. Die Jodzufuhr ist Bestandteil einer ärztlichen Einzelfall-Beurteilung; sowohl Jodmangel als auch eine länger andauernd sehr hohe Jodzufuhr sind in epidemiologischen Daten mit Schilddrüsenerkrankungen verbunden.⁷ Eine ergänzende Jodaufnahme durch Nahrungsergänzungsmittel oder durch jodhaltige Arzneimittel kann bei vorbestehender Schilddrüsenautonomie eine manifeste Hyperthyreose auslösen (Jod-induzierte Hyperthyreose, „Jod-Basedow") und ist in dieser Konstellation ärztlich abzuwägen.⁷ Im Verlauf einer Hyperthyreose- Versorgung gehören die Auswahl und der zeitliche Bezug einzelner Nahrungsergänzungsmittel zu Arzneimitteln der Schilddrüsentherapie in die ärztliche Mit-Beurteilung; eine Substitution einzelner Mikronährstoffe ist keine Therapie der Hyperthyreose und ersetzt nicht die ärztliche Behandlung.

9. Verlauf und Prognose

Die Hyperthyreose ist unter geeigneter Therapie eine in der Regel gut steuerbare Erkrankung. Beim Morbus Basedow ist nach zwölf bis achtzehn Monaten Thyreostatika ein relevanter Anteil der Behandelten in dauerhafter Remission; ein anderer Anteil benötigt eine zweite Therapielinie aus Radiojod oder Operation.⁵,¹⁰ Bei der Schilddrüsenautonomie führt die definitive Therapie (Radiojod oder Operation) zu einer dauerhaften Beendigung der Hyperthyreose; gegebenenfalls schliesst sich eine Levothyroxin-Substitution an.²,⁶ Die regelmässige laborchemische und klinische Nachsorge ist sowohl unter Thyreostatika-Therapie (Rezidiv-Risiko) als auch nach definitiver Therapie (Risiko einer konsekutiven Hypothyreose) erforderlich.²,¹⁰

10. Zusammenfassung

Die Hyperthyreose ist eine vergleichsweise häufige endokrinologische Erkrankung. In jodausreichenden Regionen ist der Morbus Basedow die häufigste Ursache; daneben sind die Schilddrüsenautonomie (toxisches Adenom, toxische multinoduläre Struma), transiente Thyreotoxikosen im Rahmen von Thyreoiditiden sowie jod- bzw. medikamenten-induzierte Formen relevant. Die Diagnose stützt sich auf TSH, fT4 und fT3, ergänzt durch TRAK, Sonographie und gegebenenfalls Szintigraphie. Therapeutisch stehen Thyreostatika, Radiojod und Thyreoidektomie zur Verfügung; die Auswahl ist eine individuelle ärztliche Entscheidung unter Berücksichtigung von Ursache, Alter, Begleit-Erkrankungen und Patientenpräferenz. Die thyreotoxische Krise ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Notfall-Situation.


Dieser Artikel dient der allgemeinen wissenschaftlichen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Bei Beschwerden, bestehenden Erkrankungen, Schwangerschaft, Stillzeit oder paralleler Medikamenteneinnahme ist eine ärztliche Abklärung erforderlich. Nahrungsergänzungsmittel können Neben- und Wechselwirkungen haben.

Quellenverzeichnis

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